Anfang 1997 lebten circa 7,3 Millionen Ausländer in Deutschland. Nach dem Statistischen Bundesamt sind die Hälfte davon mehr als zehn Jahren in Deutschland. 29 Prozent leben schon über zwanzig Jahre in der Bundesrepublik. ,,Unter den rund 19,7 Mill. Ehepaaren in Deutschland gibt es 1,3 Mill. Ausländische Ehepaare (6,7%), bei 636.000 oder 3,2% der Ehepaare hat ein Ehepartner ein ausländische Staatsangehörikeit."1 Über 100.000 Kinder ausländischer Eltern wurden 1993 in Deutschland geboren. 1994 gab es etwa 837.000 ausländische Schüler und 120.000 Lehrlinge.2 Im Wintersemester 1995/96 studierten fast 102.000 Ausländer an deutschen Universitäten.3

      Mit den oben angegebenen Fakten wird es klar, daß die deutschen Schulen seit langem mit der Ausbildung von Studenten verschiedener Herkunft und Sprache beschäftigt sind. Fast neun Prozent der Einwohner Deutschlands haben eine andere Staatsbürgerschaft als die Deutsche, und viele davon haben auch eine andere Muttersprache.... Als ausländische Arbeitskräfte mitte der fünfziger Jahre nach Deutschland geholt wurden, hatten diese Erwachsenen Deutsch von ihren Arbeitskollegen, an der Volkshochschule oder an privaten Sprachschulen, z.B. dem Goethe-Institut, gelernt. Später haben manche Arbeitnehmer ihre Familien mitgebracht, und mehr Kinder wurden in Deutschland geboren. Aber die öffentlichen Schulen waren überhaupt nicht vorbereitet, Deutsch als Fremdsprache zu lehren. Natürlich ist es viel schwieriger, einen Kurs zu unterrichten, wenn die Schüler aus zehn Nationen kommen! Die Lehrer können nicht -wie vorher- annehmen, daß die Kinder korrektes Deutsch zu Hause hören würden.

Erich Rauschenbach     Hier, in Amerika, hat man das gleiche Problem in Kalifornien. In den Schulen dort sind fast ein viertel der Studenten "limited English proficient," das heisst, sie sprechen nicht genügend Englisch, um ihren Unterricht zu verstehen. Mit sieben-und-achtzig Hauptsprachen in den öffentlichen Schulen sind die Lehrer wirklich herausgefordert...."The responses to the changes roiling public schools will determine whether California manages to ‘focus the diversity in a positive way' or ‘create a divisive environment in our schools'....In response to abysmal test scores...California has pushed for everything from class-size reduction and statewide academic standards to tougher high school graduation requirements and a longer school year....Unless we deal with these students well, we will have a huge crisis because we won't have qualified people in the work force to do what are incresasingly competive jobs, requiring high levels of literacy, computational ability and technological ability."4

Erich Rauschenbach      Das ist genau so wahr für Deutschland. Da Deutschland offiziell im rechtlichen Sinne kein Einwanderungsland ist, bedeutet noch lange nicht, daß es kein Einwanderungsland im wirkschaftlichen und kulturellen Sinne ist. Die Schulen, die von der Realität dieses Standpunkts ausgehen, haben den Erfolg ihrer Methode schon bewiesen. In Freiburg und Saarbrücken gibt es deutsch-französische Gymnasien. In Frankfurt an der Oder ist eine deutsch-polnische Oberstufe am Gymnasium eingerichtet. Und in Wolfsburg findet man ,,interkulturelle Erziehung" bei der ,,Scuola italo-tedesca." In dieser Grundschule ,,sollen die Kinder nach vier Jahren in zwei Sprachen zu Hause sein."5

      Aber es sind nicht nur die Kinder der Ausländer, sondern oft auch ihre Eltern, die sich an das deutsche System anpassen und eine fremde Sprache beherrschen müssen. ,,Hippy" (,,Home Instruction Program for Preschool Youngsters") ist ein Förderprogramm für Vorschulkinder und ihre Mütter, das seit fünfundzwanzig Jahren in Israel läuft. Unter der Leitung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Nürnberg und des Deutschen Roten Kreuzes in Bremen wird Türken- und Aussiedlerfamilien seit 1992 geholfen. Einmal pro Woche werden die Mütter auf ihre Förderstunden vorbereitet, bevor sie sich mit ihren Kindern fünfmal pro Woche zusammensetzen, um Deutsch zu üben. Ein Vorteil dieses Programms ist, daß Hausbesuche und Gruppentreffen die Mütter ,,aus ihrer Isolation" herausholen.6

      Leider ist es nicht immer leicht für manche erwachsenen Einwanderer, korrektes Deutsch zu lernen, weil sie es im Alltagsleben nicht hören. All zu oft reden ihre deutschen Arbeitskollegen mit ihnen in einem ,,Gastarbeiterdeutsch", einer Redewendung, die oft nur aus Subjekt, unkonjugiertem Verb, und anderer falscher Grammatik besteht. Manche Deutschen sprechen besser Deutsch mit einem einjährigen deutschen Baby als mit einer fünfunddreizigjährigen Türkin. Wenn ein Fremder nur solche inkorrekten Beispiele hört, wie soll er da Hochdeutsch lernen? Und warum soll ein Mann, wenn er als Minorität so mißachtet und mißhandelt wird, den Mut haben, sich integrieren zu lassen? Aber ich überlasse es einem Meister, Franco Biondi, es besser auszudrücken:

       aus nicht nur gastarbeiterdeutsch

      ...,,doitsche kollega
      warum du immer weggucken
      warum du mir nix akzeptieren
      isch nix schaiss

      isch mensch
      zusammen
      isch arbait du arbait fabrik
      isch leben du leben hiir

       gut, du doitsch
      isch auslender,
      du immer sagen
      isch gastarbeiter
      aber isch nix gast
      isch arbeit, isch kollega
      zusammenarbeiten
      in fabrik"7

      Zusammenarbeiten, zusammenlernen, zusammenleben. Gastarbeiter waren gefragt, Menschen sind gekommen. Ohne ihre Kenntnisse und Kraft wäre Deutschland nicht zu einer ökonomischen Großmacht geworden. Ohne ihre Weiterbildung und Fortschritte kann Deutschland keine Macht bleiben.... Jetzt wird ,,Deutsch als Fremdsprache" auch von vielen Wissenschaftlern an den Universitäten angeboten. Es gibt sogar einige zusätzliche Stipendien für ausländische Studenten. Ein paar Adressen und Hilfsquellen sind im Folgenden zu finden. Aber die Ausbildung der einheimischen Ausländer sollte nicht nur den Institutionen überlassen werden. Hierbei darf jeder helfen.
      Anmerkungen zu ,,Schule und Ausbildung"

die Adressen und Hilfsquellen

RAKKAUS Deutsch als Fremdsprache Seite

Universität Hamburg Germanisches Seminar, Arbeitsstelle Deutsch als Fremdsprache

"Institut für Deutsch Sprache"(IDS)-Universität Mannheim

Deutscher akademischer Austauschdienst (DAAD)

Goethe-Institut

University of Alberta/
Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht

Deutsch in der Türkei

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