Wie Ausländer sich selbst betrachten




"Die Geschiche eines jeden Fremden endet mit seiner Geburt," sagte Zafer Senocak in seinem Buch, Atlas des tropischen Deutschland. Er meinte damit, daß alle Ausländer in den Augen der deutschen Leute gleich sind, alle sind Außenseiter. Er fühlte, daß er gar keine Heimat hat. Er wohnte seit 1970 in Deutschland, aber fühlte sich immer noch wie ein Türke. Er sagte, daß die Deutschen die Ausländer immer noch Gastarbeiter nennen. Dieser Begriff kommt aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Damals hatte Deutschland viel Werbung für Arbeiter in anderen Länder gemacht. Deutschland brauchte viel mehr Arbeitskräfte als es damals hatte. Die Ausländer aber sind heutzutage keine Gastarbeiter mehr. Vielleicht waren ihre Eltern Gastarbeiter, aber sie sollten jetzt Mitbürger genannt werden. In Deutschland ist jemand ein Ausländer, wenn er keine deutsche Staatsangehörigkeit hat. Deshalb gibt es viele Leute, die in Deutschland geboren wurden und immer dort lebten, aber doch noch Ausländer sind. Daher kommt der Begriff "Nichtdeutscher." Die Nichtdeutschen sind Leute, die sich selbst Deutsche nennen wollen, aber von den Deutschen als gar nicht deutsch gesehen werden. Senocak schrieb, „'Integrieren,' meinen die anderen und verstehen darunter nichts anderes als eine glatte Assimilation, das Verschwinden von anatolischen Gesichtern hinter deutschen Masken."
Die Ausländer in Deutschland haben Identitätsprobleme. Ist die zweite Generation Ausländer Deutsch oder Türkisch? Die Meisten fühlen sich wie keins von beiden. Sie nennen sich die "Heimatlosen" und "Sprachlosen." Sie fühlen, daß sie ihre Muttersprache nicht mehr sprechen können, aber auch, daß sie keine Chance haben, eines Tages deutsch zu sein. Die Deutschen behaupten, daß Deutschland eine multikulturelle Gesellschaft sei. Aber Senocak sagte dazu, „Darunter verstehen sie wohl das berührungslose Nebeneinander von Kulturen und Lebensanschauungen."
Cem Özdemir wurde ein anderer berühmter Nichtdeutscher. Er ist in Deutschland als Sohn türkischer Einwanderer geboren. Er ist seit 1994 der erste Abgeordnete türkischer Abstammung im Deutschen Bundestag. Er stimmt mit Senocak überein. Özdemir hat gesagt, es sei nach den 70er Jahren für die Ausländer besser geworden, als die neuen sozialen Bewegungen begegannen. Aber nach der Wende sei es wieder schlechter geworden. Der Ruf war „Wir sind ein Volk," aber die Ausländer waren nicht darin einbeschlossen. Die Deutschen konnten wieder stolz auf alles Deutsches sein, und die Ausländer mußten dafür leiden.
Es gibt laut Senocak keine leichte Lösung zu diesem Ausländerproblem. Er sagte, „Wenn es das Blutrecht der deutschen Verfassung ist, das einer Einbürgerung von Fremden in Deutschland im Wege steht, so ist es das Blut im Kopf der deutschen Intellektuellen, das eine geistige Auseinandersetzung mit dem Fremden im eigenen Land verhindert." Er hat verstanden, daß es unklar ist, was ein Deutscher eigentlich ist. Er fragte, ob es „Blasphemie gegen die eigene Herkunft" ist, wenn man eine andere Kultur hinein in seine eigene akzeptiert. Werden die Deutschen etwas von dem Begriff „Deutsch" selbst verlieren, wenn sie wirklich eine mulitkulturelle Geschellschaft schaffen? Das ist eine schwere Frage und daher kommt das Ausländerprobleme Deutschlands. Aber das hilft den Ausländern selber nicht. „Zeige mir deine Zähne, und ich sage dir, woher du kommst. Die Einheimischen haben an den Spitzen geschliffene Zähne, mit scharfen Kanten und festen Wurzeln. Bei den Fremdlingen ist es genau umgekehrt. Die Wurzeln sind spitz nach innen gerichtet, schneiden ins eigene Fleisch," schrieb Senocak. Sie fühlen sich immer noch schwer beleidigt. Besonders schwer für Senocak ist, wenn jemand sein „gutes Deutsch" „komplimentiert." „Doch so lange man hierzulande glaubt, einem deutschsprachigen türkischen Schriftsteller ein Kompliment zu machen, wenn man sein gutes Deutsch lobt, verkennt man die wirkliche Tragweite der Migration in diesem Land."
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