Das Gasthaus ist kleiner als sie denkt. Es lag nicht direkt an der Landstraße und als sie näher kam, erkannte sie, daß dies nicht war, was sie erwartet hatte. Es sah schon von der Landstraße aus relativ alt aus, aber aus nächster Nähe wirkte es fast wie eine Ruine. Seine Fenster waren blind und sein Holz zersplittert. Das Dach war schief und baufällig, aber der Himmel erschien ihr noch unfreundlicher als das Gasthaus zu sein.

Und so stieg sie aus ihrem Auto aus und streckte ihre Beine, die von der langen Fahrt fast eingeschlafen waren. Sie dachte daran, wie das Gasthaus von der Landstraße aus auf sie gewirkt hatte und stellt fest, daß es den gemütlichen Charakter eines Landhauses fast völlig verloren hatte. Aber sie unterdrückte ihre Zweifel und ging weiter.

Als sie in das Gasthaus eintrat, sah sie viele Augenpaare in ihre Richtung blicken. Sie sah dunkles Lächeln in wettergegerbten Gesichtern als sie in der Tür stand. Rauch hing in der Gaststube und es herrschte eine fast unheilschwangere Ruhe. Dennoch war unsere Frau nicht entmutigt. Mit der Gelassenheit einer Dame betrat sie den Raum.

Sie fand einen einfachen Tisch und legte ihren Mantel ab. Dann bestellte sie einen Kognak und trankt ihn mit einem Schluck. Sie bestellte noch einen und zündete sich eine Zigarette an.

Ihr Tisch lag in einer Ecke des Zimmers und sie fühlte die innere Wärme, die der Alkohol abstrahlte. Diese Wärme brachte ihr auch die Erinnerung. Mit jedem Schluck, den sie nahm, erinnerte sie sich an eine andere Zeit in ihrem Leben. Erinnerungen, vor denen sie weglief. Aber sie trank mehr und mehr bis die Erinnerungen sie völlig gefangen hielten. Sie wirbelten sie herum und deckten sie mit Bewegung zu. Sie dachte an ihren Mann. Sie konnte sein Gesicht jetzt sehen. Seine kräftige Nase und seine klugen Augen. Seine roten Lippen, die seine perfekten Zähne in einem Lächeln freigeben, das sie alles vergessen ließ. Sie sah seine große Gestalt vor ihr stehen, aber sie bliebt an dem Tisch sitzen. Sie hatte diese Erscheinung schon mehrmals gesehen. Sie wußte, was er wollte, und sie wußte, was sie zu tun hatte. Sie bestellte einen weiteren Kognak und wartete auf das Unvermeidliche.

Sie beobachtete ihn. Schemenhaft bewegte er sich durch das Zimmer. Wo er auch immer hinging, nur sie konnte ihn sehen. Er ist alles und sie nichts. Aber nicht in dieser Nacht, dachte sie. Diese scheinbar unerschöpfliche Nacht und dieser desolate Ort sind das Schlachtfeld für ihren letzen Widerstand. Vielleicht gibt der Alkohol ihr Festigkeit. Vielleicht hat sie eine innere Stärke, die sie noch nicht sehen kann. Sie weiß es nicht. Sie weiß nur, daß dies die Nacht ihrer Befreiung war.

Sie konfrontierte nie jemanden, besonders ihren Mann. Ihr ganzes Leben lang hatte sie alles hingenommen und versucht, das Beste aus einer Situation zu machen. Aber jetzt war er gestorben und hatte keine Rechte auf ihre Denken oder ihre Gefühle. Jetzt war ihre Zeit zu leben. Diese Gedanken gingen ihr durch den Kopf, als er sich ihr zuwandte.

Er tritt zu ihr. Sie kneift ihre Augen zusammen und setzt ihr bestes Lächeln auf. Ihre Angst schwillt in ihrem Hals an, und sie unterdrückt sie mit dem letzen Rest ihres Kognaks.

Als sie ihr Glas auf dem Tisch absetzt und eine lange weiße Zigarette herauszieht, zeigt sich Feuer vor ihr. Sie zieht ihre Augenlider hoch bis sie seine schrecklichen, abstoßenden Hände sieht. Sie weiß, daß dies er ist, noch bevor sie sein Gesicht sieht. Sie würde diese großen und harten Hände überall erkennen. Sie sah sie ihr ganzes Leben lang. In ihren Alpträumen als Kind und auch in ihrer Wirklichkeit als Frau. Aber jetzt weiß sie, daß seine Hände keine Bedrohung darstellen.

Er fragt, ob er sich setzen darf, als er den Stuhl nimmt. Sie kennt seine Manierismen schon und weiß, daß er auf eine Antworte nicht warten würde. Er bestellt ihr einen Kognak und stellt ihn vor sie. Sie beobachtet die weiße Haut, die sich über seinen Fingerknöcheln spannt, und sie denkt an ihre Kälte. Als sie sprechen, bewegen sich die Hände langsam. Sie kommen näher und näher an ihr Gesicht, bis ihre Backen durch ihre Berührung gefrieren.

Sie läßt seine Hände ihr Gesicht streifen und lächelt. Sie lächelt auch und lacht wenn er lacht. Sie spielt ihre Rolle perfekt, und als er ihr einen anderen Drink bestellt, protestiert sie nicht. Sie beobachtet ihn vorsichtig und versucht, keine Gefühle zu zeigen. Sie nimmt nur kleine Schlucke von dem Kognak, nur um den Geschmack auf ihrer Zunge zu halten. Aber der Alkohol kann ihr irgendwie nicht weiter helfen. Der Rest erfordert nur sie.

Und als er fragt, ob sie zu seinem Auto gehen und wegfahren sollen, ruft sie ihre innere Kraft auf. Sie sucht in sich, aber hat sie die Fähigkeit, dieses Erlebnis zu überstehen? Bitte, entscheiden Sie: Soll sie mit ihm gehen, oder soll sie zu ihrem Auto gehen und wegfahren?


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