Das Konzept für das Museum beruhte auf der Überzeugung, daß ein Gemeinschaftsgefühl zwischen Amerikanern und Deutschen möglich war, wenn man sich der kulturellen und geschichtlichen Herkunft bewußt war. Das Museum sollte den Zugang der Deutsch-Amerikaner zum deutschen Kulturgut ermöglichen. Kuno Francke als Kurator unterstützte diesen Prozeß. Er schrieb 1897 mit zwei anderen Professoren von Harvard “The Need of a Germanic Museum at Harvard.” In diesem Artikel sprachen sie vier Punkte an.
Als erstes erklärten sie, daß die Professoren Bancroft, Hedge und Motley nach ihre Rückkehr aus Deutschland große Begeisterung für die intellektuellen Leistungen des Landes mitbrachten. Zweitens hatte die gescheiterte Revolution von 1848 einen großen Einfluß auf die Zahl der deutschen Einwanderer in die Vereinigten Staaten. Viele der gescheiterten Revolutionär sind in die USA gekommen und sie haben Zuflucht gesucht und gefunden. Drittens wurden die deutschen wissenschaftlichen Forschungsmethoden in den USA adoptiert. Viertens haben die Amerikaner ein allgemeines Interesse an der deutschen Nation und der Geschichte Deutschlands seit dem Krieg von 1870, als Deutschland eine dominant Position in Europa bekam. Die Professoren überzeugten ihre Leser, ein Germanisches Museum zu bauen. Vor dem Germanischen Museum hatte es keine Möglichkeit gegeben, die wichtigsten Monumente der germanischen Zivilisation zu studieren.
Es gab aber schon früher deutschen Einfluß in Cambridge, da viele Studenten und Professoren in Deutschland studierten. Deutsche Universitäten waren in der damaligen Zeit sehr modern, und sie waren wichtige Modellen für die amerikanischen Universitäten. Um 1880 hatten fast 10,000 Amerikaner für ein Jahr in Deutschland studiert..
Die Spende des Bierbrauers Aldolphus Busch aus St. Louis und seines Schwiegersohnes Hugo Reisinger sollte 1908 den Neubau ermöglichen. German Bestelmeyer aus München, der schon den zentralen Saal der Universität München und die Erweiterung des Germanisches Nationalmuseums in Nürnberg geplant hatte, wurde als Architekt bestellt. Bald nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs spürte man eine antideutsche Stimmung auf dem Harvard Campus. Obwohl Bestelmeyer eine bestimme Idee für das Gebäude gehabt hatte, war es für ihn wegen des Kriegs und der damit verbundenen Germanophobie nicht möglich, das Museum fertigzubauen.
Der Präsident von Harvard, Charles L. Eliot, glaubte, daß Kaiser Wilhelm am Krieg schuld war, und war für die antideutsche Stimmung mitverantwortlich. Er schrieb an seinen Bekannten Henry Lee Higginson, der mit der Boston Symphonie zu tun hatte, daß Deutschlands Philosophie und Religion fehlgeschlagen seien. Er verstand nicht, warum ein Land, das eine herrliche Bildung hatte, nicht die Fähigkeit entwickelt hatte, vernünftig zu denken. Vor dem Kriegsausbruch war Eliot ein wichtiger Befürworter für das Germanische Museum gewesen. Seine Meinung, die sich sehr schnell geändert hatte, war repräsentativ für die meisten Harvard-Studenten. Zwischen 1916 und 1921 wurde der Bau des Museums unterbrochen.
Die deutsch-amerikanische Identität wurde mit einer negativen Bedeutung verbunden. Menschen, die aus Deutschland gekommen und Amerikaner geworden waren, hatten ihre Vertrauenswürdigkeit verloren. Ihre Loyalität wurde von amerikanischen Studenten in Frage gestellt.
Nach dem zweiten Weltkrieg hatte das Busch-Reisinger Museum nicht viel Geld. Aldolphus Busch schenkte jedoch Harvard mehr Geld, wegen der Prohibition und Buschs Überzeugung war sein Großmut jedoch sehr problematisch. Es gab zwei Dinge, die in den Augen der Harvard-Studenten gegen ihn sprachen: er war ein Deutsch-Amerikaner und er war Bierbrauer. Glücklicherweise erkannte Harvard Buschs Wichtigkeit und das Germanische Museum konnte trotzdem das Busch-Reisinger Museum genannt werden.
Kaiser Wilhelm II hatte Harvard eine Sammlung von Gipsabdrücken und Fotos geschenkt. Er hatte das Museum aus zwei Motiven heraus unterstütz: der Pflege des Deutschtums in Amerika und der Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehung.
Charles L. Kuhn, der Nachfolger von Kuno Francke als Kurator war, formulierte ein neues Konzept für das Museum. Er wollte nicht mehr die Nachbildung einer Kunst, sondern die Kunst selbst; die Sammlung sollte nicht aus Kopien bestehen, sondern aus Originalen; und zwar unter Einbeziehung der Modernen Kunst. Heute verfügt das Museum über eine der besten Sammlungen Moderner deutscher Kunst außerhalb Deutschlands.
Die Ausstellung “Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts,” die 1983 vom Busch- Reisinger Museum nach Frankfurt, Berlin und Düsseldorf ging, machte die amerikanische Sammlung bekannt.

Leider weiß in den heutigen Zeiten fast niemand außer den Akademikern, daß ein solches deutsches Kultur-Museum existiert. Die deutsche Nation hat Harvard und Cambridge sehr beeinflußt und deutsche Kultur spielt noch immer eine Rolle. Wir sollten diese Vergangenheit nicht vergessen.
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Aldolphus Busch Architekur
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