2.Mai l989:
Ungarische Grenzsoldaten zerschneiden den Stacheldraht an der Grenze zu Österreich. Der von Stalin mitten durch Europa und Deutschland gezogene Eiserne Vorhang bekommt ein erstes Loch. Damit war nach einem Wort von Bundeskanzler Helmut Kohl zugleich "der erste Stein aus der Mauer geschlagen". Zunächst aber ahnt niemand, welche Umwälzungen dadurch ausgelöst werden. Sie fegen nicht nur die SED-Machthaber aus der Regierung, sondern führen in kürzester Zeit zur Wiedervereinigung der Deutschen. Gleichzeitig wird das Tor aufgestoßen zu einer Friedensordnung in Europa, die alle Völker des Kontinents einbeziehen wird. Erst vereinzelt, dann in Gruppen, flüchten DDR-Bürger im Sommer '89 über Ungarn in die Bundesrepublik Deutschland. Sie verlassen ein Zwangsregime, das die Menschen bespitzelt, ihnen die Bürgerrechte vorenthält und sich anschickt, den 40. Jahrestag dieser Herrschaft zu feiern. Noch hat Staats- und Parteichef Erich Honecker nicht verkuendet, die Mauer werde noch in hundert Jahren stehen. Aber sein Widerstand gegen den Reformkurs des sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow und das bedingungslose Ja der SED zur brutalen Niederschlagung der Studentenbewegung in China lassen die Situation für die Menschen in der DDR immer auswegloser erscheinen.